Keingärten, nicht nur mit Zukunft,…

…sondern auch mit Gegenwart und Vergangenheit…

…oder vom Umgang einer Stadt mit der eigenen Geschichte.

In Kiel haben sich ja bekanntlich weit vor der Inauftraggabe des Kleingartenentwicklungskonzeptes neue und geänderte Bedürfnisse im Bereich städtisches Grün angekündigt. Auch in den Kleingartenvereinen kündigte sich die Notwendigkeit neuer Vereinsarbeitskonzepte seit langem an, teils durch zurückgehende Bereitschaft der Menschen sich in klassischen Vereinsstrukturen zu engagieren, teils auch durch immer mehr Leerstand der Parzellen.

Für die junge Generation ist das strikt durch das Bundeskleingartengesetz und Gartenordnung geregelte Parzellenleben nur bedingt interessant, wird es doch der Umsetzung neuer Ideen und des sich-Ausprobierens in weiten Teilen nicht gerecht. Der gesteigerten Bedarf an Freizeitgärten, wie auch nach völlig neuen Gartenformen wie z.b. Offenen Gärten, genossenschaftlich organisierten Projekten ect findet hier weitestgehend keinen Raum.

Es scheint so, dass die politisch Verantwortlichen sich nicht vorstellen können das ein Miteinander unterschiedlicher Möglichkeiten und Ideen machbar ist. Diese Problematik erfährt Kiel nicht nur im Themenbereich der Kleingärten. Auch der große, Kieler Zusammenhang läßt ein Gesammtkonzept sowohl städtebaulich als auch im politischen Wollen und Wirken vermissen. Einzelne Ansätze mögen vordergründig atraktiv wirken, jedoch fehlt es immer wieder an Verbindendem, am Kontext mit dem Ganzen.

Im kleingärtnerischen Bereich können
Soziale Projekte wie Gärten, die von Schulen, Kindergärten und unterschiedlichsten Initiativen genutzt werden, problemlos gemeinsam mit traditionell gärtnernden Kleingärtnern, Freizeitgärtnern, unterschiedlichst konzipierten Grünlandprojekten eine Nachbarschaft lebendig gestalten .
Das Kleingartenentwicklungskonzept spricht exakt davon, nur scheint es in der Kieler Bürokratie nicht gelesen und verstanden worden zu sein.

Da wird bis dato gnadenlos selektiert und abgebrochen was an alten Strukturen verdächtig erscheint, ohne zu schauen ob dort Funktionierendes und Wertvolles innewohnt. Da wird versucht, Neu gegen Alt auszuspielen und auszutauschen. Die ewig wiederkehrende “entweder-oder-Frage” verhindert ein kostruktives “sowohl-als-auch”.
Gärtnerische und soziale Erfahrungen von einzelnen Parzellisten/Kleingärtnern und auch die Gremienerfahrung aus der Vorstandsarbeit wird so ausgelöscht, statt sie weiterzugeben an nachfolgende Freizeitgärtner.

Aus der Geschichte lernen…

WIR ALLE handeln, bewerten  und erleben aus Erfahrungen heraus, nicht nur aus den eigenen Erfahrungen, sondern auch aus den Erfahrungen unserer Vorfahren.
Wird die eigene Geschichte und das daraus Entstandene verdrängt, bleibt die Erinnerung daran trotzdem aktiv, nur eben ohne konkrete Bilder, ohne Greifbares, wodurch Zusammenhänge erst verstehbar werde

Auch in Kiel haben Kleingärten für das schiere Überleben gesorgt. Auch in Kiel war es der Kreativität und Eigeninitiative der damaligen Nutzer zu verdanken, dass dies gelang. Und oft genug geschah dies auch im Widerstand gegen starre Obrigkeit, die zwar mit Regularien drohte, selbst aber keinerlei Lösungen und Hilfe bot, gerade auch nach 1945 und in den Jahren darauf.
Es sind genau die Folgegeneration und deren Nachfolger, die nun erleben, wie all das, was Kleingartengeschichte in Kiel ausmacht, auf den Kopf gestellt wird und runderneuert werden soll.
Aber genau in dieser Geschichte liegt auch, bei manchen bewußt, die Motivation begründet, sich dem Gärtnern neu zuzuwenden. Die Erinnerung an die gärtnernde Oma, evtl auch einfach nur an die leckeren Gurken der Nachbarin, auch ohne selbsterlebten Bezug zum Garten ist häufig der Zündfunken zum Selber-Gärtnern.

In diesem Zusammenhang darf man sich in Kiel dringend fragen, worauf dieser Umgang mit Eigenem, Geschichtlichem hinausläuft, und ob so nicht das dringend notwendiges Vertrauen der Bürger in Politik immer mehr ausverkauft wird. Das radikale Brechen mit der eigenen Geschichte mag auf dem Planungsbrett noch so leidlich funktionieren…herauskommt etwas, was danach mindestens merkwürdig anmutet. Real funktioniert es jedoch nicht, es wird zu bezahlen sein mit immer mehr Verdrängung der Bürger aus ihrer eigenen Stadt.
Deutlich wurde das am Umgang mit dem Verkauf der ältesten Kieler Kleingarten-Flächen an Möbel-Kraft und im Umgang mit den Anliegen der Behelfsheim- Eigentümern.

Urban gaardening, ernst gemeint oder bloßes Mittel zur Spaltung?

In Kiel wird sich seit einiger Zeit vordergründig offen gezeigt für urban-gaardening-Projekte, man benutzt dieses neue, werbeträchtige Wort gern zu Marketingzwecken, aber wo bleiben die traditionellen Kleingärtner, wie auch all die Menschen die das weite Spektum dazwischen bevölkern?
Was übrigens der schönen und spannenden Idee des urban gaardening nicht gerecht wird und zudem ignoriert, das Kleingärtner sehr erfolgreich seit über 100 Jahren urban gardening betreiben.
Wiederum werden hier zwei Sachen getrennt die zusammengehören.

Tricksen und Realitäten am Planungsbrett schaffen:

In Pressemitteilungen o.ä kommen Kleingärtner derzeit vorwiegend negativ besetzt vor oder gar nicht. Diese Pointierung in der Öffentlichkeit erinnert an die als “wording” bekannte Technik.
Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit beheimatet und bedient sich massenmanipulativer Elemente (1) zum Zwecke der öffentlichen Meinungsbeeinflussung…auch Stigmatisierung, Ausgrenzung, wie auch Legitimation von repressiven Handlungen.
Die Einseitigkeit der Berichterstattung tut ein Zusätzliches um das Klima hier nachhaltig zu schädigen.

Es geht hier nicht mehr allein um Verträge und Vereinbarungen, sondern um den Ton, den “good-will” beim Ganzen und im Umgang mit den Menschen auf ihrer Scholle.
All dieser derzeitige Umgang wird sich auf die zukünftige Umsetzung des Kleingartenentwicklungskonzeptes auswirken. Dieses birgt viele gute und wünschenswerte Ansätze zur Belebung und zum Erhalt des Kieler Grüngürtels. Jedoch ist es bisher totes Papier. Der Weg der Realisierung kann nur über die gelungene Einbindung aller Beteiligten gehen, wovon hier bis dato nicht mal ansatzweise geredet werden kann.

Es wäre wünschenswert, auch im Hinblick auf weitere Entfernung der Obrigkeit vom Bürger das hier eine Annäherung stattfindet. Genau bei solchen Themen kann diese exemplarisch stattfinden. Denn genau hier, im Alltäglichen, entscheidet sich, wo der Wähler am Ende sein Kreuz macht. Ob er sich gesehen und gefördert fühlt, oder abgedrängt und überflüssig.
Selbstverwaltung ist als Baustein lebendiger Demokratie wesentlich. Wo sie als reine Kosmetik zur Ausführung staatlicher Interessen benutzt wird, betreibt Demokratie den Ausverkauf ihrer eigenen Werte.

 

(1) wortgucker